Die Vorteilspackung - Der große Regeltest zur Vorteilsbestimmung

Einführung in die Vorteilsbestimmung

»Der Schiedsrichter hat von einer Spielunterbrechung abzusehen, wenn dies von Vorteil für dasjenige Team ist, gegen das sich das Vergehen richtete, und das ursprüngliche Vergehen zu bestrafen, wenn der erwartete Vorteil zu diesem Zeitpunkt nicht eintritt.« (DFB-Fußballregeln)

In einer zusätzlichen Anweisung hatte die FIFA den zeitlichen Rahmen auf 2 bis 3 Sekunden begrenzt, währenddessen der Spielleiter einen Regelverstoß noch ahnden kann, wenn der erwartete Vorteil nicht eintritt. Diese Anweisung gilt sinngemäß auch heute noch, wenngleich auch mit mehr Spielraum (siehe Auslegung der Spielregeln und Richtlinien der FIFA für Schiedsrichter - Rechte und Pflichten: Der Entscheid zur Ahndung des ursprünglichen Vergehens ist innerhalb der nächsten paar Sekunden zu treffen).

Voraussetzung für die Anwendung der Vorteilsbestimmung:

  • Zeitspanne zwischen Regelübertretung und verspäteter Spielunterbrechung einige Sekunden
  • der Ball muss noch im Spiel sein
  • Persönliche Strafen sind spätestens in der nächsten Spielunterbrechung auszusprechen

Während die Spielleiter vor der Änderung der Vorteilsbestimmung gehalten waren, ihre Entscheidung durch Handzeichen oder Zuruf (»Vorteil!«) zu verdeutlichen, sollte nunmehr der Zuruf nur noch in ganz eindeutigen Fällen angewandt werden. Die neue Devise heißt »Abwarten und Tee trinken« (ostfriesische Redewendung).

Die neue Möglichkeit des »verspäteten Pfiffes« hat sich bei den Medien (insbesondere bei den Fernsehkommentaren) erfreulicherweise schnell herumgesprochen. Die Zuschauer haben sich jedoch noch nicht so schnell an die neuere Regelauslegung gewöhnt. Der Schiedsrichter sollte deshalb auf die Reaktionen der Zuschauer vorbereitet sein. Die psychische Belastung des Spielleiters wird in der folgenden Kurzgeschichte deutlich.

Ein Spieler spielt den Ball absichtlich mit der Hand. Der Schiedsrichter wartet mit dem Pfiff, um zu sehen, ob der Ball zu einem gegnerischen Spieler gelangt. Er möchte nicht nur dem Schiedsrichter-Beobachter beweisen, dass er die Vorteilsbestimmung richtig anzuwenden weiß. Die Zuschauer brüllen indessen »Hand! Hand! Hand!« Der Ball gelangt zu einem Mitspieler des Übeltäters. Der Schiedsrichter unterbricht mit Verzögerung das Spiel. Die Schreihälse rufen: »Auf Zuruf! Auf Zuruf!«

Der (gute) Schiedsrichter-Beobachter wertet die Missfallensbekundungen als Pluspunkt für den Spielleiter !

Mit wenigen, aber gezielt gestellten Fragen lässt sich ermitteln, ob die Vorteilsbestimmung verstanden wurde: Grundlegender Regeltest zur Vorteilsbestimmung