Lutz Michael Fröhlich contra Jürgen Klopp

Der Meister-Coach als Brandstifter ?

Heftige Kritik übte am vergangenen Wochenende Lutz Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter beim DFB, am Dortmunder Coach Jürgen Klopp. Der Kicker berichtete in seiner Montagsausgabe vom 26. November. »Auch wenn der Trainer Klopp sich hinterher immer hinstellt und sagt ”tut mir leid“, bleibt immer etwas hängen. Das Verhalten hat so ein aggressives Potenzial, dass daraus gewaltsame Exzesse an der Basis entstehen können.«

Der Dortmunder Meister-Coach setzte sich umgehend zur Wehr. Seine Worte sind selbstkritisch, weisen aber die erhobenen Vorwürfe zurück. »Das hat mich schon getroffen. Ich habe ja meinen Teil dazu beigetragen, ich habe meine Vorfälle gehabt in der Vergangenheit. Herrn Fröhlich scheint mein Umgang damit nicht zu reichen. So ein großes Ding daraus zu machen, finde ich unangenehm. Es gibt viele Probleme im Amateurfußball – ich kann ganz bestimmt nicht das größte sein.«

Deutlicher wird Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc, der Jürgen Klopp zur Seite sprang. »Natürlich wissen wir, dass Jürgen sehr emotional ist und sicher das ein oder andere Mal übers Ziel hinausschießt. Aber das mit Gewaltorgien zu vergleichen ist unterste Schublade. Das können wir nur aufs Schärfste zurückweisen.«

Auch der Nürnberger Trainer Dieter Hecking nahm seinen Kollegen in Schutz. Es gibt aber immerhin zu, dass die Bundesliga-Trainer eine Vorbildfunktion besitzen. »Jürgen Klopp ist ein emotionaler Trainer. Ihn so abzustempeln, wird seiner Arbeit aber in keinster Weise gerecht. Damit hat Herr Fröhlich übers Ziel hinausgeschossen. Aber natürlich haben wir Trainer eine Vorbildfunktion und sind keine Lämmer.«

Unterstützung erhielt Lutz Michael Fröhlich vom »Schiedsrichter-Chef« Herbert Fandel. »Man kann über die Wortwahl sicher diskutieren. Ich teile aber die Sorge Lutz Michael Fröhlichs, dass einige wenige Trainer in der Bundesliga ihrer Vorbildfunktion nicht immer gerecht werden, weil sie ihre Emotionen in manchen Situationen nicht mehr unter Kontrolle haben.« Herbert Fandel geht mittlerweile soweit, auf die beruhigende Wirkung der Schiedsrichter Bibiana Steinhaus zu setzen, wenn er sie bei Spielen, bei denen er Ärger von der Trainerbank befürchtet, als Vierte Offizielle einsetzt.

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Das folgende Diskussionsangebot richtet sich an aktive Schiedsrichter, Trainer und Funktionäre aller Spielklassen. Die Diskussion ist annonym. Dennoch wäre es begrüßenswert, wenn Sie einen Hinweis geben würden, ob Sie Ihre Meinung als Schiedsrichter, Trainer oder Funktionär abgeben und in welcher Spielklasse Sie tätig sind.

Wenn Sie auf Ihre eigenen Erfahrungen zurückgreifen. Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Schiedsrichtern und Trainern in unseren Tagen beschreiben? Hat es sich im Laufe der Jahre verschlechtert oder gebessert? Und sind sie der Ansicht, dass ein Bundesliga-Trainer wie Jürgen Klopp durch sein aggressives Verhalten einen schlechten Einfluss ausübt? Sei es auf die Trainer, die in unteren Klassen tätig sind, oder aber auf die Fans.

Ich denke, man muss verstehen dass es der Lebensunterhalt für die Trainer ist. Eine falsche Entscheidung des Schiedsrichters kann über Sieg, Niederlage, Abstieg, Aufstieg, Champions Liga mit ihren Millionen Einnahmen, usw entscheiden. Dann ist der Trainer plötzlich ohne Arbeit -- er ist zum Erfolg verdammt.

Bei uns in Nordamerika haben alle Uni-Spiele automatisch eine/n 4. Offizielle/n. Der Trainerjob bringt 100.000 Dollar pro Saison. Dafür verlangt man dann Erfolg. Ausserdem gibt es bei allen Provinzial- oder Landesmeisterschaften ab U-14 automatisch den 4. Offiziellen.

Als 4. Offizieller braucht man Fingerspitzengefühl und man kann die Trainer einigermassen unter Kontrolle halten. Bei einen bestimmten Trainer kocht es oftmals und schnell über, dann wird ihn generell ein 4. Offizieller vor die Nase gesetzt, der ihn NICHT mit "... ich bin der Boss hier..." sondern mit beruhigenden Worten und Geduld in Schach hält.

Man kann nicht immer sagen, das ist die Regel; sondern braucht oftmals gesunden Menschenverstand. Falls der Trainer nicht mit den Schiri übereinstimmt ... was oft genug passiert ... aber er drückt seinen Unmut einigermassen zivilisiert aus, kann man es gut übersehen.

In der Hitze des Spiels wird vieles gesagt und getan was normalerweise nicht den Charakter des Spielers oder Trainers entspricht.

Natürlich sind Trainer in der Bundesliga Vorbilder, aber so sind auch die Spieler. Einen Ausraster wie Herr Klopp beim CL Spiel sollte es nie geben. Aber wieviele junge Spieler schon bei den Zwölf-jährigen eifern ihren "Helden" in den Top Teams nach und halten Trikots, fragen "hey Schiri, warum wurde gepfiffen, usw.

Schaut euch Spiele in den sechziger oder 70-ger Jahren an. Da war es für den Schiri leichter ein Spiel zu leiten.

P.S. Wer sich gut genug fühlt, sollte sich als Schiri zum "Dallas Cup" bewerben. Das ist ein 10-tägiges Jugendturnier über Ostern mit hochklassiger Besetzung. Die A-Jugen von Eintracht Frankfurt nimmt regelmässig teil. Manchester United gewann es dieses Jahr.

Dort finden sich Schiris von vielen Ländern zusammen, unter anderen auch FIFA Schiris und Prüfer -- u.a beim letzten Turnier von der Schweiz, Island, England, New Zealand. Diese Schiris kann man jederzeit ansprechen, was man das ganze Leben behält.

Dieter Freundt, Schiri seit 1958, 3.000 Spiele +, am 29. 11. 2013 um 2:29

In meiner Ansprache, vor meinen Spielleitungen, verlange ich von allen Spielern, Trainern und Betreuern eine absolute Fairness und Respekt den Gegenspielern und mir als Spielleiter gegenüber.
Bis auf wenige Ausnahmen - auch bei sogenannten "Ausländern" - habe ich meistens keine Probleme. In meinem Berufsleben geht man vernünftig miteinander um, dieses setze ich auf dem Platz voraus. Wer das nicht kapiert muss halt mit der Schiri-Reaktion rechnen. Gott sei Dank sind die allermeisten Spiele herrlich fair und geben mir Motivation dieses Schiri-Hobby mit Freude und Leidenschaft auszuüben. Ehrlich gesagt, 2 -3 Spiel im Jahr sind so fragwürdig das man sich selbst die Frage stellt, warum man dieses Hobby ausübt.
Es ist schließlich nur ein Fußballspiel, es gibt viel wichtigeres auf der Welt !!!
Es ist für mich in jedem Fall eine Tatsache an der man meiner Meinung nach nicht herum kommt: die sogenannten Großen machen es uns auf der unteren Ebene nicht leicht. Ihr Gehabe ist mitunter schon sehr sehr unfair und unserem geliebten Fußballspiel unwürdig. Einerseits immer im TV auf die Schiri-Fehler intensiv schimpfen, natürlich ist immer nur der andere der Schuldige. Und dann andererseits später auf anderen Presse-Konferenzen sich als Engel aufführen - das ist für mich nicht nachvollziehbar ! Die Herren sollten sich mal vor Augen führen, wie viele Fehler ein Spieler, im Gegensatz zum Schiri, während des Spiels macht. Also Augen auf. Ich wünsche allen Schiri-Kollegen "Gut Pfiff"

Peter Nickel, SR-Vereinigung Alzey-Worms, am 06. 12. 2012 um 9:06

Dieses schreibe ich sowohl als Schiedsrichter sowie auch als Funktionär, sprich Schiedsrichteransetzer im Bezirk:
" Als seit über 40 Jahren noch aktiver SR muss ich ehrlich gestehen,
dass ich es nie so schlimm mit den Herren "Übungsleitern/Trainern" auf Kreis- und Bezirksebene erlebt habe, wie es sich fast an jedem Spieltag auf den Bundesligaplätzen abspielt und es dann auch noch von den Medien an die gesamte "Menschheit" weitergegeben wird. Wenn keine beleidigenden Worte und diffamierenden Gestiken von den Trainern gemacht werden, mein Gott, lasst sie doch ruhig in ihrer Coachingzone herumhampeln. Sie machen sich doch selbst zum Clown und alle sehen es, welche Vorbildfunktion sie dann darstellen. Fazit: Der Fußball ist heutzutage nur noch auf Erfolg und damit zum Überleben der Vereine verbannt, da bleibt die reine Menschlichkeit oft nur auf der Strecke. Vielleicht ist das auch der Grund für das mitunter schlechte Verhalten der Trainer am Spielfeldrand, die unter Erfolgszwang stehen oder ihren Existenzverlust befürchten müssen! Ja, das ist alles in der Vergangenheit schlimmer geworden!

H. Walter Pankrath, am 04. 12. 2012 um 17:35

Miteinander reden setzt Verstehen voraus.

Das Erinnern an die Vorbildfunktion der Trainer ist ein zweifellos nicht zu vernachlässigender Teilaspekt. Eine viel größere Schar Spieler vernachlässigt Woche für Woche ihre Vorbildfunktion, wenn man einmal davon absieht, dass es auch schlechte Vorbilder gibt.

Da werden rücksichtslose Blutgrätschen in den Rasen gepflügt, Ellenbogen in die Gesichter der Gegner gerammt und - ganz neu - mit brutalem Kopfstoss wird auch schon mal ein Nasenbein zertrümmert.
Und - was kommt dabei raus? Gelb, Rot, eine Geldstrafe, die aus der Portkasse dieser Spieler bezahlt wird bzw. oft auch - vertraglich geregelt - vom Verein der Übeltäter.

Es sind doch nicht die Trainer wie Klopp, Tuchel oder Streich, die für die Unsitten in den unteren Klassen verantwortlich sind. Deren Emotionen sind Teil ihrer Persönlichkeit und diese Trainer sind auch in der Lage, dies konstruktiv zu diskutieren, zu argumentiern und sich, wenn nötig, auch mal zu entschuldigen. Dazu kommen Charisma, Charme und höchste fachliche Kompetenz. Von allen Kennern der Szene anerkannt.Wurde durch deren Verhalten jemals eine zweite Person gesundheitlich geschädigt?

Die sogenannten Profis sind oft genug schlechte Vorbilder. Die einen können keine drei fehlerfreien Sätze sprechen, andere können sich teils nach Jahren Aufenthalt in Deutschland immer noch nicht in unserer Landesssprache artikulieren. Worüber sprechen beim VfL Wolfsburg die ca. 40 Spieler aus 25 Nationen?
Diego ist einer dieser Söldner, denen es auch völlig egal ist, ob sie heute für Wolfsburg oder morgen für Barfuß Jerusalem spielen. Hauptsache die Kohle stimmt. Glücklicherweise ist der gemeine "Fan" vergesslich. Was wäre geschehen, wenn diese Wolfsburger nach Diegos divenhaftem Abgang im letzten Spiel der vorletzten Saison abgestiegen wären? Egal, er spielt wieder. Ebenso unfassbar wie unentschuldbar.

Sich mit einem Verein identifizieren und mit Herz die Vereinszugehörigkeit und den Zusammenhalt zu leben (pathetisch in guten und in schlechten Zeiten), das sind Gefühle, von denen diese Art von Sportlern so weit entfernt sind, wie die Erde vom Mond.
Und diese Jünglinge forden dann Respekt ein. Für was?

Das Verhältnis von Trainern und Spielern zu Schiedsrichtern kann man in den unteren Klassen durch immer wieder praktizierten zu verabredenden Meinungsaustausch beispielsweise nach dem Training verbessern. Darüber reden, was verstehen die einen nicht, was wünschen sich die anderen.
Tore fallen immer dadurch, dass Fehler gemacht werden. Zu 99 Prozent sind es Fehler, die Spieler machen.

Das Fremdwort unserer Tage ist Toleranz.
Ein jeder ist für Toleranz, nur wenns drauf ankommt nicht so ganz.
Wir lieben doch alle das großartige Spiel Fussball.

Jürgen Justus, Bezirk/Kreis, 650 Spiele, 3 rote Karten

Jürgen Justus Becker, am 04. 12. 2012 um 16:36

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