Kommunikation zwischen Schiedsrichter und sonstigen Beteiligten des Fußballspiels

von Volker Lemke

Kapitel 6 - Umgang mit Trainern

Hier sollte bedacht werden, dass auch Trainer[58] unter Druck stehen; ihnen geht es bei kritischen Äußerungen oft nicht um den Schiedsrichter als Person, sondern um den Erfolg im Spiel. Deshalb: Nicht alles, was Trainer ins Spiel werfen, ungefiltert negativ auf das Beziehungskonto buchen. Im Ansatz: Die Rolle der Trainer respektieren. Wertschätzung zeigen! Beide Trainer schon vor dem Spiel (eventuell sogar mit Handschlag) begrüßen[59], dabei aber Distanz wahren und absolut neutral[60] sein. Beiden Trainern ein gutes Spiel wünschen[61]. Nicht negativ über Vergangenes äußern. Vor dem Spiel aufwärmen und dadurch zeigen, dass man das Spiel ernst nimmt. Administrative Aufgaben (Passkontrolle etc.) korrekt, aber ohne großes Getue erledigen. Wenn ein Trainer vor dem Spiel reden will, ist dann – anders, als während des Spiels – dafür noch Zeit. Im Spiel erläutere ich meine Entscheidungen nach Möglichkeit (durch Gestik) so, dass auch die Trainer erkennen, warum gepfiffen wurde. Ich vermeide aber – wie immer – die unnötige Spielverzögerung[62]. Ich gehe davon aus, dass Konflikte etwas Normales sind[63]. Ich (über-)reagiere nicht bei jeder Kleinigkeit, mache dem Trainer aber schnell klar, wer das Sagen hat. Ich bleibe in Ton und Gestik stets auf der Sachebene, vermeide Killerphrasen[64].

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff keine Diskussion; erst später (etwa nach dem Duschen, weil etwaige Emotionen dann »»abgekühlt« sind) ist dafür Zeit. Dann höre ich aufmerksam zu und führe durch Nachfragen eine Klärung des Anliegens herbei (Verbesserung der Beziehungsebene). Ich erkläre, wie ich die Situation gesehen habe. Ich vermeide (Killer-)Phrasen wie: »Du musst einsehen«, »Das stimmt nicht«, »nein«, »falsch«, »hör mal zu«, »so kann man das nicht sehen«. Ich versuche, von der Einzelentscheidung weg zu kommen, beziehe mich auf eine Linie. Ich stehe dazu, falls ich einen Fehler gemacht habe[65]. Ich spreche nicht negativ über die Leistung der Mannschaft.