Kommunikation zwischen Schiedsrichter und sonstigen Beteiligten des Fußballspiels

von Volker Lemke

Kapitel 7 - Umgang mit Spielern

Hier ist zu bedenken, dass auch Spieler unter Druck stehen und für ihre Frustration mitunter einen Blitzableiter suchen. Klar ist aber, dass es nur einen Spielleiter gibt, nämlich den Schiedsrichter. Frust nach Möglichkeit gar nicht erst aufkommen lassen. Deshalb die Spieler in kritischen Situationen auch einmal freundlich ansprechen und rechtzeitig mit ihnen kommunizieren[66]. Es schadet nicht, ein Spielerverhalten mit einem Lächeln zu kommentieren und dennoch anders zu entscheiden, als er es will. Den Versuch des Spielers, während des Spiels zu kommunizieren, nicht ignorieren. Wir zeigen eine Reaktion, lassen uns aber nicht »die Butter vom Brot nehmen«. Und: Im Spiel ist keine Zeit für eine ausführliche Erörterung. Wir erklären Entscheidungen ganz kurz (Geste reicht meistens), diskutieren nicht, vermeiden unnötige Spielverzögerungen. Wir erheben keine Vorwürfe, ergehen uns nicht in Belehrungen[67]. Wir handeln schnell[68], entschlossen und konsequent. Wir sprechen sich fehlerhaft verhaltende Spieler gezielt an; wir separieren sie (besonders dann, wenn wir von mehreren Spielern bedrängt werden), um die Ermahnung/Verwarnung außenwirksam darzustellen. Wir achten die Würde der Spieler, reagieren nicht herablassend. Wir bleiben nach Möglichkeit selbst ruhig[69], geraten nicht in Hektik. Wir ermahnen uns im Konfliktfall zur Ruhe und geben den Beteiligten klar zu erkennen (ruhig auch durch Gestik[70] und Mimik), dass uns die Kritik stört und nicht geduldet wird. Wir sind berechenbar, indem wir vorher auf mögliche persönliche Strafen hinweisen. Wir machen reklamierenden Spielern klar, dass wir deren Hilfe nicht brauchen, behalten aber das monierte Verhalten im Blick. Wir achten von Anfang an darauf, wo sich Pärchen bilden, die sich ständig beharken. Wir schreiten hier sofort ein (»Wehret den Anfängen«). Das Ganze aber angemessen: Zunächst reicht es in der Regel, dem Spieler zu zeigen, dass er »erkannt« wurde (das geht auch im Vorbeilaufen, durch Blickkontakt o.ä.). Hören die Streithähne nicht auf, muss – in einem zweiten Schritt – die Karte zum Einsatz kommen. Wir stehen zu eigenen Fehlern (der Schiedsrichter kann auch auf Kreisebene nicht jede Millimeterentscheidung beim Abseits richtig treffen) und nehmen die falsche Entscheidung nach Möglichkeit zurück[71]. Immer achten wir auf unsere Körper- und Para-Sprache (angemessene Lautstärke auch beim Benutzen der Pfeife). Wir stellen Blickkontakt her und strahlen Sicherheit aus[72]. Wir senden »Ich-Botschaften“[73]. Wir wenden die Vorteilsregelung flexibel an: In einem aggressiv geführten Spiel kann es bei Anwendung der Vorteilsregel schnell zu einer Eskalation kommen. Eine klare Regel gibt es hier nicht; hier ist einer der wenigen Bereiche, bei dem man von einem Fingerspitzengefühl des Schiedsrichters sprechen kann. Wir sind den Spielern zugetan; wir kritisieren/maßregeln sie nie als Mensch (»Du hast ja offenbar überhaupt keine Kinderstube«), sondern immer nur bezogen auf das konkrete Verhalten im Spiel. Wir vermerken besonders faires Verhalten im Spielbericht und melden dieses Verhalten gegebenenfalls über das Internet[74]. Dies alles gibt uns die Chance, dazu beizutragen, die Situation erst gar nicht eskalieren zu lassen[75].