Kommunikation zwischen Schiedsrichter und sonstigen Beteiligten des Fußballspiels

von Volker Lemke

Kapitel 4 - Das Empfangen der Botschaft

Negativ-Kritik kommt im »normalen« Leben wie im Spiel immer vor. Derjenige, der einer Negativ-Kritik ausgesetzt ist, läuft aber immer Gefahr, die Situation falsch einzuschätzen. Wir Schiedsrichter müssen deshalb auf Negativ-Kritik vorbereitet sein. Ist es für uns normal[41], Negativ-Kritik zu erfahren, kann es uns eher gelingen, das eigene Beziehungskonto dadurch nicht zu sehr zu belasten, keinen Beziehungsnebel entstehen zu lassen[42]. Dann haben wir die Chance, auch die nächste Krise noch »objektiv« zu meistern. Soweit wir Botschaften empfangen, können wir dann differenzieren: Der Spruch eines Spielers, den nur der Schiedsrichter hört, wirkt halt nur zwischen diesen beiden Spielbeteiligten. Erlaubt sich der Spieler aber zum Beispiel eine abfällige Geste[43], die von allen gesehen wird, stellt sich die Situation anders dar[44]. Denn wenn der Schiedsrichter hier nicht reagiert, entsteht bei allen Beteiligten ein negativer Eindruck, der für die weitere Akzeptanz der Schiedsrichter-Entscheidungen von gravierender Bedeutung ist[45]. Hier muss der Schiedsrichter reagieren. Ein einfaches »das war doch nichts«, das nur der Schiedsrichter hört, ist deshalb anders zu bewerten als ein wildes Gestikulieren (»Scheibenwischer«), das von allen gesehen wird. Zeigt der Schiedsrichter hier keine Reaktion, führt auch das bei den anderen Beteiligten zu einer Reaktion, nämlich zur Frustration (der hört überhaupt nicht zu) bzw. dazu, dass man meint: »Bei dem kannst du dir alles erlauben«. Denn auch der Schiedsrichter, der nicht reagiert, sendet eine Botschaft. Nämlich: »Was Du meinst, interessiert nicht; ich wertschätze[46] dich nicht!« Folge ist der oben beschriebene psychologische Nebel (nun beim Spieler, dessen Mitspielern oder dessen Trainer), der die weitere Zusammenarbeit mit dem Schiedsrichter belastet. Ich rate deshalb, immer zu überlegen, ob und wie auf Kritik reagiert wird. Immer sollte unsere Reaktion dann rein sachlich[47] erfolgen, also nicht belehrend wirken. Vieles kann man auch mit einem Lächeln lösen[48]. Eine Patentlösung für den Umgang mit Negativ-Kritik gibt es nicht; aber wenn wir uns bewusst[49] sind, dass Menschen dann, wenn sie negativ kritisiert werden, Gefahr laufen, etwas falsch zu verstehen und dazu neigen, emotional zu reagieren, kann uns das helfen[50].