Volker Lemke (Autor)

Volker Lemke, (Jahrgang 1962, geb. in Gelsenkirchen) besitzt die Trainer C-Lizenz (Breitenfußball) und war bis 2013 circa zehn Jahre als Jugendtrainer beim SV Arnsberg 09 tätig. Zuletzt begleitete er die Zweite Seniorenmannschaft desselben Vereins als Co-Trainer. Darüber hinaus ist Volker Lemke seit vielen Jahren als Schiedsrichter aktiv.






Kommunikation zwischen Schiedsrichter und sonstigen Beteiligten des Fußballspiels[0]

von Volker Lemke

Kapitel 1 - Einleitung

Überschäumende Emotionen auf den Fußballplätzen sind keine Seltenheit. Es kommt zu Pöbeleien, mitunter zu Schlägereien[1]. Eltern sind nicht mehr bereit, ihre Kinder zum Fußball zu schicken, weil dort eine aggressive Stimmung herrscht, die niemand will[2]. Mit Blick auf den demographischen Wandel wird es schwerer, Kinder und Jugendliche in ausreichendem Maße und auf Dauer für den Fußballsport zu begeistern. Das ist der Befund[3]. Allerdings bemühen sich die Verbände um eine Besserung. Als Beispiel mag die auch vom DFB getragene Fair-Play-Liga für die Kleinsten dienen[4]. Tatsächlich kommt es aber weiterhin zu vielen unschönen Szenen auf und neben den Plätzen. Wir Schiedsrichter (SR)[5] haben die Chance, das Spielgeschehen positiv zu beeinflussen und dadurch auch eine Verbesserung des Befundes zu erreichen. Der Schlüssel hierfür liegt in unserem Auftreten, in unseren kommunikativen Fähigkeiten[6]. Es reicht nicht, die Regeln richtig anzuwenden[7]. Regelkenntnis ist zwar die unverzichtbare Grundlage. Die objektiv richtige Entscheidung muss aber auch richtig »verkauft«[8] werden, um bei den Beteiligten eine Akzeptanz zu erreichen[9]. Tatsächlich kochen Emotionen nämlich auch dann über, wenn wir objektiv »richtig« entscheiden. Das mag dann auch an der Art und Weise der Übermittlung der Entscheidung liegen. Die Kommunikation des Schiedsrichters soll deshalb hier[10] dargestellt werden. Zwar könnte man sagen, dass uns die Akzeptanz unserer Entscheidung nicht interessiert (»Ich entscheide, und damit basta«). Sieht man aber, was auf dem Platz so »abgeht«[11], muss man aber einsehen, dass alle Beteiligten – auch wir Schiedsrichter – stets prüfen sollten, ob etwas besser gemacht werden kann. Mitunter werden wir Schiedsrichter als Sündenböcke angesehen[12], manchmal tätlich angegriffen[13]. Wir sollten deshalb jede Chance nutzen, unser Spiel – die Spielleitung[14] – zu verbessern. Gute Kommunikation eröffnet uns dabei aber nur die Chance(!) auf ein Spiel ohne Eskalation. Es wird immer so sein, dass es zu Verwerfungen kommt. Kenntnisse über das Wesen menschlicher Kommunikation können insofern nicht die Welt retten, uns aber bei der Spielleitung helfen.

Der Beitrag beschäftigt sich deshalb mit drei Aspekten: Erstens sollen die Grundlagen der menschlichen Kommunikation dargestellt werden[15]. Zweitens sollen die so gewonnenen Grundlagen[16] auf unsere Arbeit im Spiel umgesetzt werden[17]. Zuletzt soll versucht werden, weiterführende Überlegungen dazu anzustellen, was man – zukunftsgerichtet – tun könnte, damit alle Spielbeteiligten an einem Strick – und zwar in die gleiche Richtung – ziehen.

Vorauszuschicken ist allerdings, dass die bestmögliche Regelkenntnis notwendige Voraussetzung für eine »gute« Leistung des Schiedsrichters ist. Wenn der Schiedsrichter sich nicht auskennt, hilft eine gute Kommunikation nicht. Dann »kracht« es. Und: Eigenes sattelfestes Regelwissen gibt uns natürlich so viel Selbstvertrauen, dass unsere Ausstrahlung von vornherein signalisiert, dass die Entscheidung richtig ist. Das führt automatisch zu einer Akzeptanz auf der Seite der Spieler. Wir Schiedsrichter müssen auch eine ausreichende Kondition haben[18]. Ein Schiedsrichter, der hauptsächlich damit beschäftigt ist, nach Luft zu schnappen, kann kein guter Spielleiter sein. Regelkunde und ausreichende körperliche Fitness sind daher unverzichtbare Grundlagen für unsere Tätigkeit. Die kommunikative Kompetenz des Schiedsrichters ist deshalb nur als zusätzliche Möglichkeit der Optimierung der Spielleitung zu begreifen. Hat der Schiedsrichter diese Kompetenz, kann er einiges von dem, was auf Fußballplätzen so passiert, besser einordnen[19]. Das Verstehen der kommunikativen Abläufe ist insofern der Schlüssel für eine bessere Spielleitung.