Handelfmeter - Die Diskussion um die Regelauslegung

Hand oder nicht Hand, das ist die Frage

Hand oder nicht Hand, das ist die Frage:
Ob’s mehr uns adelt wohl im Geiste,
die Pfeile und Schleudern wüster Pfiffe stumm zu dulden,
Oder das Schwert zu ziehn gegen ein Meer von Elfern ...

So hätte möglicherweise Shakespeare gedichtet, wenn er sich wie wir, Woche für Woche vor der Sportschau sitzend, den Kopf über merkwürdige Handelfmeter-Entscheidungen zerbrochen hätte. Rudi Völler, das ist klar, hat sich für die zweite Variante entschieden. »Das war früher kein Elfmeter, das ist heute kein Elfmeter und das wird auch zukünftig kein Elfmeter sein«, wütet er, nachdem seine Leverkusener am vergangenen Wochenende einen umstrittenen Handelfmeter gegen sich hinnehmen mussten. Und Schiri-Chef Herbert Fandel gibt ihm Recht. »Der Elfmeterpfiff war nach Ansicht aller Fernsehbilder falsch«. Der Schiedsrichter des Spiels Florian Meyer beharrt jedoch auch nach Ansicht der Fernsehaufnahmen auf seiner Entscheidung. »Ich bleibe bei der Entscheidung«.

Wenn sich selbst erfahrene Bundesligaschiedsrichter und ihr Chef nicht einig über die Regelauslegung sind, wie sollen sich dann die verteidigenden Spieler verhalten. Ihnen bleibt wohl wirklich nur das stumme Erdulden ...

Das mediale Echo ist - ähnlich wie beim Thema Videobeweis bei der Entscheidung Tor oder kein Tor - enorm. Ist also die ganze Diskussion medial gepuscht, um die Auflagen zu steigern? So kündigt der Kicker seine Montagsausgabe vom 11. Februar 2013 im Internet mit den Worten an: »Umstrittene Entscheidungen in Nürnberg und nun in Mainz: Handspiel oder nicht? Elfmeter oder was? Viele vermissen eine klare Linie, der Zoff ist groß. Der kicker nennt Zahlen, Daten und Fakten. Im Interview legt Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel seine Position dar. Und der kicker sagt, was jetzt getan werden muss.«

Oder hat ein User unserer Seiten Recht, der im Forum schreibt: »Mir fällt auf, dass in dieser Saison in der Bundesliga andauernd Streit wegen Handspiel-Entscheidungen gibt. Irgendwie verwirrt mich das - ich interessiere mich seit knapp 40 Jahren für Fußball, und kann mich nicht erinnern, dass diese Regel in der Praxis für sonderlich häufige Diskussionen gesorgt hätte. Ich habe auch nicht unbedingt das Gefühl, dass die Leute einfach bloß spinnen - sehr oft war ich selber stark im Zweifel, was man da entscheiden soll.«

Was ist Ihre Meinung? Beteiligen Sie sich an der Diskussion!


Wenn die Hand nicht zum Ball geht und auch die Flugbahn des Balles nicht verändert wird, dürfte man auf keinen Fall Elfmeter pfeifen. Für mich waren die beiden Elfmeter "Boateng und Scheinsteiger", klare Fehlentscheidungen.
Das gleiche gilt für die "zwei gelben Karten" für Hummels.
Die deutschen hatten trotzdem genug Chancen, um trotzdem zu gewinnen aber es sollte wohl nicht sein und daher Glückwunsch an unsere französischen Nachbarn:-)

Joachim Schlenther, Moers, am 08. 07. 2016 um 7:29

Warum gibt es eigentlich die Diskussion ob Handspiel oder nicht!

Mal philosophisch betrachtet:
Stellen wir uns vor wir ändern die Regel 12 folgendermassen:
"Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball mit der Hand berührt. Als Hand gilt der Teil der Körperoberfläche von der Schulter bis zur Hand."
Keine Interpretation mehr durch den Schiedsrichter. Trifft der Ball diesen Körperbereich ist es Handspiel.
Wäre das nicht einfach? Nagut, die Zeitlupenfetischisten werden dennoch mit der Micrometerschraube nachmessen ob es noch Schlüsselbein oder schon Schulter gewesen ist um Ihren Diskussionsstoff zu haben.

Aber was passiert sonst? Im Training wird es die Trainingseinheit "Handspielverursachung" geben. Es ist schliesslich einfacher aus 16m mit vier Verteidigern in 2m vor sich eine von 8 Händen zu treffen als den Ball dazwichen auf´s Tor zu zirkeln. Der im Strafraum liegende Verteidiger ist da besonders leichte Beute.
Aus einer misslichen Situation beim Pressing befreie ich mich durch absichtliches anschiessen der Hand eines Gegners mit einem direktem Freistoss.
Ein Spiel wird nicht mehr durch Traumtore sondern durch Handelfmeterschiessen entschieden.

Wollen wir das?

Ich denke nein. Deshalb überlassen wir dem Schiedsrichter die Interpretation des Handspiels.
In den Regeln (12, Ausleg. der FIFA) steht bereits im ersten Satz das Wort "Absicht". Danach kommt erst was der Schiedsrichter bei seiner "Absichtsbeurteilung" einfliessen lassen soll.
Beschränken wir uns doch endlich mal auf diese Reihenfolge und stellen einmal öffentlich fest, das die Beurteilung der Situation subjektiv ist.

Liebe Zeitlupenfetischisten und Möchtegernregelinterpretierer!
Nehmt bitte zur Kenntniss, das eine Interpretation immer subjektiv ist. Daran ändert auch keine 9. Zeitlupe und kein 3. "Fachmann" etwas.

Aber: Die 4. Halbzteit beginnt nach der 3. Halbzeit und dauert bis zum nächsten Spieltag. Irgendetwas muss man in dieser 4. Halbzeit ja machen.

Matthias Mroch, Hamburg, am 24. 01. 2015 um 21:58

Hallo zusammen.
In Zusammenhang mit dieser Diskussion würde mich interessieren, wie ihr die Strafstoß-Situation aus dem Bundesligaspiel Leverkusen-Mönchengladbach am vergangenen Wochenende seht?

Aus meiner Sicht war die Entscheidung von Felix Brych völlig richtig, denn die Armhaltung von Arango weit über Schulterhöhe muss man meines Erachtens als unnatürlich betrachten. Daher spielt es keine Rolle, ob der Ball aus kurzer Distanz und von hinten an den Arm geraten ist.

André Brandt, am 31. 08. 2013 um 16:41

In der Diskussion vermisse ich eine wichtigen Aspekt in den Regeln:

Hat der Spieler durch das Handspiel einen Vorteil erlangt, unabhängig davon, ob es absichtlich oder unabsichtlich geschah?

H. Heupel, am 06. 06. 2013 um 11:09

Was mich interessieren würde ist, wie das Handspiel im Strafraum im Ausland gehandhabt wird, z.B. in England, Spanien oder Italien.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der DFB bzw. seine Schiedsrichter mit dieser merkwürdigen Regelauslegung, wie sie zur Zeit stattfindet, allein darsteht. Wenn ich an den Elfmeter im Champions-League-Spiel ManCity gegen Dortmund denke (kurz vor Schluß gegen Subotic verhängt), scheint es doch so zu sein, dass in anderen Ländern genauso ein Mist gepfiffen wird ...

Bernd Pätzke, am 18. 03. 2013 um 19:21

Klaas du büst best! Du musst in DFB-Kommision und Striegel dat verkloorn.
Aff nu will ik dien Fründ wesen. Inverstohn?
Reinhard Schultz, SR-Lehrwart Wittmund

Reinhard Schultz, am 18. 03. 2013 um 10:21

In Neddersassen gev dat moll een Lehrwart, de verklor sien Lü, dat se bevor se een Handspill fleiten wulln, seggen mutten: "DAT WULL HE!" All anners is Tuenkram.

Jo
Klaas Buskohl

Klaas Buskohl, am 17. 03. 2013 um 9:43

Ich hatte lange nicht mehr ins Regelheft geschaut, daher habe ich in den letzten Wochen den Eindruck gewonnen, dass zum Handspiel neue Aussagen in die Regel 12 aufgenommen worden wären. Nach den – aus meiner Sicht teils unsäglichen – Entscheidungen der letzten Wochen (auch von Florian Meyer in Mainz!) habe ich mir extra die neueste Fassung der Fußballregeln beim DFB heruntergeladen, und was habe ich gefunden?:

„Handspiel

Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball mit seiner Hand oder seinem Arm absichtlich berührt. Der Schiedsrichter achtet bei der Beurteilung der Situation auf

1. die Bewegung der Hand zum Ball (nicht des Balls zur Hand),
2. die Entfernung zwischen Gegner und Ball (unerwartetes Zuspiel),
3. die Position der Hand (Das Berühren des Balls an sich ist noch kein Vergehen.),
4. das Berühren des Balls durch einen Gegenstand in der Hand des Spielers (Kleidung, Schienbeinschoner usw.), was ein Vergehen darstellt,
5. das Treffen des Balls durch einen geworfenen Gegenstand (Schuh, Schienbeinschoner usw.), was ein Vergehen darstellt.“

Die Regeln haben sich also seit meiner aktiven Zeit nicht umfassend geändert!

Wer mir erzählen will, dass der Leverkusener Spieler ein absichtliches Handspiel im Sinne der Regel 12 beging, lässt die Ziffern 1. und 2. völlig unbeachtet und vermuten, dass er noch nie selbst Fußball gespielt hat! Auch wenn man beim DFB jetzt offenbar von einer „Verbreiterung des Körpers“ oder ähnlichem spricht: Es gilt aus meiner Sicht immer noch der Grundsatz, dass die Regeln nach ihrem Wortlaut und dem Sinn und Geist ihres Inhalts anzuwenden sind! Nach meiner Auffassung lag absolut keine Absicht vor („unerwartetes Zuspiel“ aus nächster Nähe und keine Handbewegung zum Ball)!

Sehr gut hingegen, dass Peter Gagelmann beim Spiel Schalke gegen Dortmund nicht auch noch auf die Idee gekommen ist, den gegen Dortmund geforderten Strafstoß zu geben, als ein Dortmunder beim Befreiungsschlag aus dem Strafraum heraus den Ball seinem Mitspieler aus ca. fünf Metern an die Hand schoss! Das war auch nie und nimmer Absicht, wenngleich eine ähnliche Handhaltung wie beim Leverkusener Spieler vorlag und der „Körper verbreitert“ wurde!

Ich bleibe bei meiner schon immer vertretenen Auffassung, dass ca. 70% aller Handspiele im eigenen Strafraum unabsichtliche Handspiele im Sinne der Regel 12 sind – aber ich habe zum Glück ja nichts zu sagen.

Manfred Harder, Lüneburg, am 15. 03. 2013 um 18:09

Die Handspielbeurteilung ist einfach:
"Ein Handspiel liegt vor........ absichtlich berührt (DFB-Regelheft Seite 84, Handspiel Abs.1).
Wenn der Aspekt "absichtlich" vom DFB mehr in den Vordergrund gestellt würde,wäre allen SR ein großes Stück geholfen.

Reinhard Schultz SR-Lehrwart Wittmund, am 15. 03. 2013 um 14:42

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