Verirrter Strandball lenkt Ball ins Tor

Kurios und korrekt ?

Ein kurioses Tor im Premier-League-Spiel zwischen Sunderland und Liverpool am 17.10.2009 sorgt für große Aufregung, und zwar nicht nur in England, sondern auch unter hiesigen Regelexperten: Ein kleiner Junge warf einen aufblasbaren Plastikball auf das Spielfeld, der bis zum Torraum kullerte. Dort kollidierte die rote Kugel mit dem auf das Tor geschossene Leder und wurde für den Torwart unhaltbar ins Tor abgelenkt. Der Schiedsrichter Michael Jones erkannte den Treffer an. Zu Recht? Der anliegende Artikel der OSTFRIESEN-ZEITUNG vom 21.10.2009 gibt Aufschluss.

Würden sich die Schiedsrichter der englischen Premier League etwas ausgiebiger mit dem Spielgeschen der ostfriesischen Kreisligen beschäftigen, hätte der geschilderte Vorfall sicherlich für weniger Gesprächstoff gesorgt. Einen vergleichbaren Fall gab es dort nämlich vor etlichen Jahren bereits. Im äußersten Zipfel Deutschlands war es allerdings ein Baum, der damals ein Tor schoss (siehe Story 12 - Das gab's noch nie: Ein Baum schießt ein Tor !).


Gegenstand im Spielfeld (Liverpool gegen Sunderland)

Ostfriesenzeitung vom 21.10.2009



Der „Strandball-Treffer“ war irregulär

Experten aus der Region kritisieren die Schiedsrichter-Entscheidung. Sie sehen Unterschiede zur „Papierkugel“, die beim HSV-Spiel gegen Werder für Aufsehen sorgte.

VON GEORG LILIENTHAL

OSTFRIESLAND - Die Anhänger in Sunderland haben gejubelt, die Liverpooler geschimpft, alle anderen Fußballfans in Europa geschmunzelt - und auch gerätselt. War das denkwürdige 1:0-Siegtor des FC Sunderland in der englischen Premier League, bei dem ein Strandball den Schuss von Darren Bent unhaltbar abfälschte, wirklich korrekt? „Auf keinen Fall.“ So urteilen auch Regel-Experten aus Ostfriesland und Umgebung. Der ehemalige niedersächsische Schiedsrichter-Lehrwart Ubbo Voss (Norden) und sein Nachfolger Bernd Domurat aus Wilhelmshaven sind sich vollkommen einig: „Dieses Tor hätte der Schiedsrichter niemals anerkennen dürfen.“ Ein kleiner Junge, der zum Anhang des FC Liverpool gehörte, hatte einen aufblasbaren Plastikball, mit denen Kinder gewöhnlich am Strand oder im Wasser spielen, aufs Feld geworfen. Der „falsche“ Ball kullerte bis zum Torraum und lenkte beim Schuss von Brent das tatsächliche Spielgerät unhaltbar für den Torhüter des FC Liverpool ins Netz.

„Es hätte einen Schiedsrichterball geben müssen“, erklärt Bernd Domurat. „Und zwar an exakt jener Stelle, wo es zur Berührung von Strandball und Fußball gekommen ist.“ Domurat verweist auf eindeutige Richtlinien im Regelwerk: „Wenn ein äußerer Einfluss das Spiel stört, muss der Schiedsrichter die Partie unterbrechen.“

Der Pfiff hätte allerdings nicht bereits erfolgen müssen, als das „fremde Objekt“ in den Strafraum segelte. „Das liegt im Ermessen des Schiedsrichters“, erklärt der Landes-Lehrwart. „Solange so ein Plastikball nur irgendwo herumliegt und niemanden stört, muss der Schiedsrichter nicht einschreiten.“

Der Norder Ubbo Voss erinnert sich an einen ähnlich gelagerten Fall in Visquard, den er auch auf seiner Regel-Homepage dokumentiert hat (www.ubbo-voss-sr-lehrarbeit.de). „Das ist schon mehrere Jahrzehnte her“, erzählt Voss von der kuriosen Szene in der Krummhörn. „Damals hatte der Ast eines Baumes bis ins Spielfeld geragt. Der Ball wurde dadurch abgelenkt und landete im Tor.“ Der Schiedsrichter erkannte den Treffer an. „Auch dieses Tor war in Wirklichkeit irregulär“, sagt der Fachmann. „Auch da hatte ein Gegenstand von außen maßgeblich das Spiel beeinflusst.“

Ermessenssache ist allerdings, ab welcher Größe ein fremdes Objekt als Störung gewertet wird. Nicht jeder kleine Stock oder Kieselstein, der auf dem Spielfeld herumliegt, muss eine Spielunterbrechung zur Folge haben.

Auch die berühmte Papierkugel, die im Mai dieses Jahres beim UEFA-Cup-Rückspiel zwischen dem HSV und Werder Bremen (Endstand 2:3) einen Treffer eingeleitet hatte, wurde damals nicht als Störfaktor gewertet. Durch die Berührung war der Ball dem HSV-Verteidiger Michael Gravgaard so unglücklich ans Schienbein gesprungen, dass daraus ein Eckball entstand. Diese Standard-Situation führte zum vorentscheidenden 3:1 für Werder durch Frank Baumann. „Da lässt sich noch nicht einmal mit Sicherheit feststellen, ob der Schiedsrichter die Papierkugel wahrgenommen hat“, sagt Ubbo Voss. Der große Strandball von Sunderland, der war aber ebenso unübersehbar wie der lange Ast von Visquard.

Bildunterschrift des linken Bildes: Die entscheidende Szene: Darren Bent (links) trifft mit diesem Schuss den Strandball, der den Fußball unhaltbar ins Tor abfälscht. FOTO:SCREENSHOTEUROSPORT



Übrigens: Die Premier League, das ist die Organisation, die hinter der Ausrichtung der Spiele der gleichnamigen Liga steht, hat bereits ausgeschlossen, dass das Spiel wiederholt wird.