Spielleitungsanalyse

Irren ist menschlich - .... und Schiedsrichter sind auch Menschen

Die Schiedsrichter in der Bundesliga obliegen der stetigen Kontrolle ihrer Leistungen durch einen Beobachterstab, neuerdings werden sie von einem auserlesenen Kreis sogar regelmäßig gecoacht: Von der Ankunft am Spielort bis zur Abreise wird das Schiedsrichterteam intensiv betreut, beraten und beurteilt. Für eine Spielleitungsanalyse stellt das Fernsehen bereits unmittelbar nach dem Spiel eine Videoaufzeichnung zur Verfügung, damit die Entscheidungen des Teams überprüft und - was in höheren Leistungsklassen besonders relevant ist - das Verhalten der Referees begutachtet werden kann. Ziel dieser Betreuung ist eine weitere Verbesserung der Leistungen des Schiedsrichtergespanne.

Ob sich der Aufwand lohnt oder ob nicht besser die eigentliche Lehrarbeit intensiviert werden sollte, sei dahingestellt. Zur Farce wird das ganze Unternehmen allerdings, wenn der Beobachter einem Schiedsrichterassistenten eine sehr gute Leistung bescheinigt, ihm unabhängig davon jedoch anhand von Fernsehbildern (in Zeitlupe und mit Standbild) nachweist, dass er eine entscheidende Abseitssituation falsch beurteilt hat: Der Bedauernswerte wird unverzüglich vorübergehend „aus dem Verkehr gezogen”. Eine solche Bestrafung (sie zieht u.a. auch einige tausend DM Einnahmeverlust nach sich) ist nicht nur ungerecht, sie ist aus psychologischer und pädagogischer Sicht vollkommen unsinnig: Eine solche Willkürmaßnahme trägt nicht zur Leistungsverbesserung sondern zur Verunsicherung des Assistenten bei: Die drohende „DFB-Keule” bleibt bei seinen nächsten Einsätzen im Gedächtnis und wirkt sich kontraproduktiv aus.

Was ein Assistent, der sich über seinen Fehler selbst wohl mit am meisten ärgert, in einer solchen Situation gebraucht, ist Rückendeckung. Dazu ist ein couragierter DFB-SR-Ausschuß gefordert, der dem Druck von außen (wie Spielausschuss, Vereine, Medien) gewachsen ist und der nicht versucht, sich durch das „Assistentenopfer” selbst ein Alibi zu verschaffen.

Der Öffentlichkeit muss verdeutlicht werden, dass wir mit Fehlern der SR-Teams ebenso wie mit den Fehlpässen und verschossenen Strafstößen der Spieler leben müssen, und zwar trotz der steten Bemühungen der Verantwortlichen beim DFB und in den Landesverbänden, die Leistungen der Schiedsrichterteams zu verbessern und damit die Zahl der Fehlentscheidungen zu minimieren.

Nachtrag: Die Bestätigung dieser Überlegung ließ nicht lange auf sich warten: In Nürnberg signalisierte ein vorher abgestrafter SR-Assistent in der Absicht, nunmehr alles besser zu machen, ein zweifelhaftes Handspiel und brachte damit den Spielleiter in arge Schwierigkeiten.