Ungewöhnliches Thema eines Lehrabends:

Regeländerungen - Ungereimtes im Regelwerk

Über viele Jahrzehnte wurde das Regelwerk des Fußballsports kaum verändert. Seit den 90er-Jahren jedoch gab es eine inflationäre Zunahme der Neuerungen. Den Gipfel erreichte dieser Aktionismus im Jahre 2005: Auf 84,5 g Papier habe ich alle Mitteilungen des DFB und des Landesverbandes zum Thema „Regeländerungen” gesammelt. „Hü und Hott” könnte die Überschrift der Sammlung lauten.
Bewundernswert war die stoische Ruhe, mit der der Verbands-SR-Lehrwart des Niedersächsischen Fußballverbandes, Bernd Domurat, die Änderungen, die Änderungen der Änderungen, die Ergänzungen und die Dementis an seine „Schutzbefohlenen” weitergab (und durch ein vorzügliches Power-Point-Programm für Übersicht sorgte).

Das sich stetig verändernde Umfeld des Fußballs, aber auch das Verhalten der Akteure, machen Regelanpassungen erforderlich. So wurde zum Beispiel in der Vergangenheit seitens des zuständigen internationalen F.A. Board durch etliche Regeländerungen versucht, das Fußballspiel (wieder) zu beschleunigen (gutes Thema für einen regelkundlichen Längsschnitt). Oder: Die gewollte Zielungenauigkeit beim Tackling machte es erforderlich, nicht nur das Tackling von hinten, sondern jegliches Tackling, das den Gegner verletzten könnte, mit der roten Karte zu ahnden.

Viele Regeländerungen der letzten Jahre jedoch erwiesen sich als so unnötig wie ein Kropf. Schlimmer noch, sie verstoßen gegen das innere Gefüge, gegen den viel zitierten „Sinn und Geist” der Fußballregeln. Solche systemfremden Regeländerungen erschweren die Lehrarbeit ungemein, da sie nicht erklärlich sind.

Nach dem Prinzip „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt” kann der SR-Lehrwart mit einem Regellängsschnitt zum Thema Anomalien versuchen, das Problem einzukreisen.

Bevor in der Lehrveranstaltung kleinere Gruppen Teile des Regelwerks unter diesem Aspekt durchforsten, sollte den Schiedsrichtern der Begriff der „Anomalie” an einem Beispiel verdeutlicht werden:

Bei Eingriffen von außen (Beispiel: Ein Zuschauer berührt den Ball), wird das Spiel jeweils mit einem Schiedsrichterball fortgesetzt. Wird das Leder jedoch bei einem Strafstoß, der etliche Meter neben das Tor getreten wird, zum Beispiel von einem Pressefotografen vor Überschreiten der Torlinie aufgehalten, so muss der „Elfmeter” wiederholt werden!

Hinweis: Die Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollzähligkeit.


Regel Das „Prinzip“ Die Abweichung
1 Englische Maße (feet, yard) in Meter umgerechnet. Entfernungsangaben neuerdings (beim Einwurf) in Meter (= unbedeutend).
3 Ausgewechselter Spieler darf nicht wieder eingewechselt werden. Bei der Jugend und in unteren Spielklassen sind Wiedereinwechslungen erlaubt (= ungelöste regeltechnische Probleme !).
3

Eintritt in das Spiel grundsätzlich von der Seitenlinie.

Behandelte Spieler dürfen während einer Spielunterbrechung über die Torlinie auf das Spielfeld zurückkommen.
4 Bei Regelverstößen wird das Spiel unter Beachtung der Vorteilsbestimmung unterbrochen. Verstöße werden grundsätzlich erst in der nächsten Spielunterbrechung verfolgt.
4 Das Spielen ohne Schuhe ist nicht erlaubt. Verliert Spieler in Zusammenhang mit der Torerzielung einen Schuh, ist das Tor anzuerkennen (auch wenn dem Torwart der Schuh ins Gesicht fliegt…).
5 Auf dem Spielfeld behandelte Spieler müssen anschließend das Spielfeld verlassen. Wird der Torwart auf dem Spielfeld gepflegt, dürfen auch verletzte Spieler behandelt werden, ohne dass sie danach das Feld verlassen müssen.
6 SR-Assistenten war ursprünglich Betreten des Platzes nicht gestattet. Nach und nach Ausnahmen: Schiedsrichter begeht Regelverstoß; Schiedsrichter wird bedroht; Schiedsrichter verletzt sich; bei Tumulten; SR-Assistent soll Mauerabstand in seiner Nähe herstellen.
7 Vergeudete Zeit wird unter Beachtung der Vorteilsbestimmung nachgespielt. Vorteilsbestimmung gilt nicht mehr innerhalb der Nachspielzeit (keine Verkürzung).
8 Die Fußballregeln unterschieden zwischen „strafenden“ (Strafstoß, direkter Freistoß, Eckstoß = direkter Charakter) und „nicht strafenden“ Spielfortsetzungen (z.B. Anstoß, Anstoß, Einwurf, indirekter Freistoß = indindirekter Charakter). Aus einem Anstoß kann nunmehr ein Tor direkt erzielt werden.
10 Verhindert ein Zuschauer durch Ballberührung ein Tor, ist das Spiel mit einem Schiedsrichter-Ball fortzusetzen. Verhindert ein Zuschauer nach einem Strafstoß durch Ballberührung ein Tor, muss der Strafstoß wiederholt werden.
12 Gefährliches Spiel = indirekter Freistoß; keine persönliche Strafe. Tackling, das die Gesundheit des Gegners gefährdet = direkter Freistoß und Feldverweis (Gemeint: Mit Körperkontakt?).
12 „Torraub“ = Rot. Auswechselspieler betritt unerlaubt das Spielfeld und verhindert durch Wegtreten des Balles ein sicheres Tor = Gelb.
12 Verwarnung bei wiederholtem Verstoß gegen die Spielregeln. Keine persönliche Strafe bei wiederholten Abseitsstellungen.
12 Bei Wurfvergehen (auch Spucken): Direkter Freistoß, wo getroffen wurde oder werden sollte. Bei Wurfvergehen (Spucken) gegen Mitspieler, Trainer, Zuschauer usw.: Spielfortsetzung (ind.Freistoß), wo „Übeltäter“.
14 Bei Regelverstößen während einer Spielruhe kann die Art der Spielfortsetzung nicht geändert werden. Bei unsportlichem Täuschen beim Anlauf vor Ausführung des Strafstoßes sind indirekte Freistöße möglich.
14 Berühren Zuschauer den Ball, wird das Spiel mit einem Schiedsrichter-Ball fortgesetzt. Wird der Ball beim Strafstoß von einem „Fremdkörper“ berührt, bevor das Leder die Torlinie zwischen beiden Eckfahnen überschreitet, wird der Strafstoß wiederholt.
14 Bei unkorrekter Ausführung einer Spielfortsetzung ist grundsätzlich eine Wiederholung vorgesehen. Beim zurückgespielten Strafstoß wird das Spiel mit einem ind. Freistoß für den Gegner fortgesetzt.
15 Bei unkorrekter Ausführung einer Spielfortsetzung ist grundsätzlich eine Wiederholung vorgesehen. Bei unkorrekter Ausführung: Einwurf für den Gegner. Ausnahme: Wiederholung, wenn der Ball mehr als 1 m von der Seitenlinie entfernt eingeworfen wurde.
16  Diese Spielfortsetzung hat keinen „strafenden Charakter“. Aus einem Abstoß kann ein Tor direkt erzielt werden.
17 Linien gehören zu dem Feld, das sie begrenzen. Die Viertelkreislinie begrenzt kein Feld, sondern markiert eine Distanz.
11m Sch. Gleich viele Schützen auf beiden Seiten. Kein Ausgleich bei Ausscheiden von Spielern. Und dann ???