Bücher für Schiedsrichter

Fitnesstraining für Schiedsrichter. Grundlagen - Strukturen – Übungen

von Antretter, Arbini und Schlumberger / Herausgegeben vom DFB

»Die Fitness der Spieler, das Tempo des Spiels erforderten einen fitten Schiedsrichter«, sagt jemand der es wissen muss, … sagt Sir Alex Ferguson. Und was hat Sir Alex - außer einem Kaugummi zwischen den sich ständig hin und her bewegenden Kiefern? ... Er hat Recht!

Fitness für Schiedsrichter

Körperliche Erschöpfung und ihre negativen Folgen

Grundsätzlich ist es so, dass körperliche Erschöpfung zu geistiger Ermüdung und damit zu nachlassender Konzentration und Wahrnehmungsfähigkeit führt. Fehlentscheidungen sind dann vorprogrammiert. Eine gute körperliche Verfassung hingegen hilft, nicht nur Fehlentscheidungen zu vermeiden, sondern sie stärkt zudem die psychische Widerstandskraft und untermauert die Autorität des Schiedsrichters durch ein neunzig oder mehr minütiges sicheres Auftreten, einschließlich einer entsprechenden Körpersprache.

Hohe Ansprüche an die Kondition der Schiedsrichter - Tendenz steigend

Führt man sich folgende zwei Befunde vor Augen, erkennt man schnell, wie wichtig ein gutes Konditionstraining auch für Schiedsrichter ist. Zum einen gibt es Hinweise darauf, dass die Laufleistungen - in Kilometern gemessen - bei Schiedsrichtern im Schnitt höher liegen als bei den Spielern. Das ist nicht unbedingt verwunderlich, wird doch von den Schiedsrichtern verlangt, sich immer in der Nähe des Spielgeschehens zu befinden. Zum anderen haben taktische Vorgaben (beispielsweise das schnelle Umschalten von Abwehr auf Angriff und umgekehrt) sowie diverse Regeländerungen (zum Beispiel die Verwendung mehrerer Bälle) zum einen zu einem höheren Spieltempo, zum anderen zu einer verlängerten effektiven Spielzeit geführt. Als Resultat sahen sich nicht nur die Spieler erhöhten konditionellen Anforderungen ausgesetzt, sondern eben auch die Schiedsrichter.

FIFA und DFB ergreifen Maßnahmen

Die FIFA sowie der DFB und dessen Landesverbände reagierten bereits vor etlichen Jahren auf letztgenannte Trends, indem sie die Altersgrenzen für Schiedsrichter - abhängig vom Level auf dem gepfiffen wurde - senkten. Anfang 2010 reagierte der DFB mit einer weiteren Maßnahme, und zwar mit der Veröffentlichung des Buches »Fitnesstraining für Schiedsrichter. Grundlagen - Strukturen – Übungen«. Das Buch ist unter der Projektleitung von Stefan Hans und Lutz-Michael Fröhlich im Philippka-Sportverlag erschienen. Das Autorenteam setzt sich aus Heinz-Dieter Antretter (Schiedsrichter-Fitnesscoach des DFB), Christel Arbini (Physiotherapeutin der Bundesliga-Schiedsrichter und Frauen-Nationalmannschaft) und Dr. phil. Andreas Schlumberger (Fitnesstrainer der DFB Juniorenteams) zusammen. Das Buch beschreibt in 6 Kapiteln, wie Schiedsrichter ein geeignetes Fitnessprogramm durchführen können, und gibt darüber hinaus wertvolle Informationen zu den Themen Trainingslehre/Sportverletzungen und Ernährung. Als Zielgruppe werden die Schiedsrichter der 1. bis 3. Bundesliga, aber auch unterer Klassen genannt.

Die einzelnen Kapitel des Buches

Das Buch beginnt mit jeweils 5 exemplarischen Trainingseinheiten zur Verbesserung der für Schiedsrichter wichtigen Konditionsbereiche Schnelligkeit, Gewandtheit, Bewegungskoordination und Lauftechnik, Schnelligkeitsausdauer und Ausdauer (Kapitel 1.1 - 1.5).

Im Kapitel 1.6 werden Trainingsempfehlungen für die Saisonvorbereitung und Winterpause gegeben. Dies geschieht in Form von Trainingsprogrammen für jeweils 7 Wochen. Regenerationsphasen und trainingsfreie Tage werden berücksichtigt.

Im Kapitel 1.7 wird ein Beispiel für einen Jahresplan präsentiert. Dieser enthält exemplarisch für jeden Monat eine Trainingswoche (einschließlich Trainingspläne, Regenerationsphasen und trainingsfreie Tage). Es werden 2 bis 4 Trainingstage pro Woche veranschlagt. Sommer- und Winterpause werden berücksichtigt.

Trainingsempfehlungen für beispielhafte Einsatzwochen werden im Kapitel 1.8 gegeben. Es wird gezeigt, wie Trainingspläne und Trainingsschwerpunkte in Abhängigkeit von den Einsatztagen variieren können.

Im Kapitel 1.9 wird auf einer Doppelseite eine kalendarische Übersicht präsentiert, die eine exemplarische Verteilung von Spieleinsätzen (in den unterschiedlichen Ligen und Wettbewerben) und Trainingseinheiten (samt Trainingsschwerpunkt) eines Bundesligaschiedsrichters für die Halbserie 2007/2008 (Januar bis Juni) enthält.

Eine vierwöchige Vorbereitung auf den Leistungstest des DFB oder der FIFA wird in Kapitel 1.10 präsentiert.

Die Trainingspläne und die Beschreibungen der Trainingseinheiten des ersten Kapitels stellen Muster dar, die den jeweiligen individuellen Bedürfnissen in Inhalt und Umfang angepasst werden können. Die Trainingseinheiten werden in tabellarischer Form und Skizzen dargestellt. Sie setzen sich aus einem Aufwärmprogramm, dem Hauptteil und einem Cool-Down-Programm zusammen und haben eine Dauer zwischen 60 und 90 Minuten.

Das 2. Kapitel beginnt mit einer kurzen Einführung, in der auf die Notwendigkeit von Kraft- und Stabilisationsübungen hingewiesen wird. Anschließend werden kräftigende und stabilisierende Übungen insbesondere für die Bein- und Rumpfmuskulatur vorgestellt. Dies geschieht mithilfe von Fotos, die durch kurze Erläuterungen (inklusive Hinweisen, was bei den Übungen zu beachten ist, um beispielsweise Fehler zu vermeiden) ergänzt werden. Es werden sowohl Übungen, die ohne Hilfsmittel ausgeführt werden können, als auch solche die Hilfsmittel (Ball oder Gymstick) einsetzen, vorgestellt.

Das 3. Kapitel beschäftigt sich mit Dehnübungen sowie dem Aufwärmen. Es beginnt mit einem kurzen Einleitungstext, der deutlich macht, warum auch Schiedsrichter auf Dehnübungen nicht verzichten sollten. Darüber hinaus werden die Merkmale statischer und dynamischer Dehnübungen kurz erklärt. Anschließend folgen 6 Dehnprogramme zum Aufwärmen (3 Programme mit statischen und 3 Programme mit dynamischen Übungen). Es schließt sich ein kurzes Programm mit Dehnübungen, die unmittelbar nach Spielende (beispielsweise in der Kabine, ausgeführt werden können (»Dusch-Dehnen«), an. Anschließend folgen Dehnübungen, die zur Regeneration eingesetzt werden können, sowie ein Abschnitt, der sich mit dem Aufwärmen vor dem Spiel beschäftigt. Das 3. Kapitel endet mit der Darstellung eines kurzen Aufwärmprogramms für die Halbzeitpause.

Das 4. Kapitel ist der Trainingslehre und der Sportmedizin gewidmet. In diesem Kapitel werden zunächst 10 wichtige Grundregeln des Trainings aufgelistet. Dann wird in aller Kürze erklärt, auf welchen physiologischen Mechanismen Trainingseffekte aufbauen. Abschließend werden Erstmaßnahmen bei gängigen Verletzungen (Kapsel-/Band-Verletzungen am Sprunggelenk oder Knie / muskuläre Verletzungen) aufgezeigt. Der Inhalt dieses Kapitels bildet eine wichtige Voraussetzung dafür, die Trainingspläne und-programme des ersten Kapitels an die eigenen Bedürfnisse anpassen zu können.

Das 5. Kapitel ist mit »Optimale Ernährung - Schlüssel für höchste Fitness und Leistung« überschrieben. Es enthält eine für dieses Buch erstaunlich umfangreiche Einführung in die Grundlagen der Sportlerernährung mit zahlreichen Tipps für eine gesunde, leistungsfördernde Ernährung. Darüber hinaus enthält das Kapitel einen Abschnitt zu sinnvollen Ernährungsmaßnahmen rund um einen Spieltag.

Im 6. Kapitel findet man noch einmal eine Zusammenstellung der zuvor beschriebenen kräftigenden und dehnenden Übungen. Dieses Kapitel hätte man sich sparen können, da es keine zusätzlichen Informationen bringt.

Fragen, Fragen, Fragen ...

Aufgrund der zahlreichen Bücher, die es zu den Themen Konditionstraining und Fitness gibt, stellt sich natürlich die Frage, ob ein Buch speziell für Schiedsrichter überhaupt nötig ist? Und wenn ja, ist dieses Buch auch für Schiedsrichter im unteren und mittleren Leistungsbereich geeignet? Kann das Buch auch für einen Schiedsrichter, der sich zwischen den Spieltagen mit Jogging und etwas Gymnastik fit hält, überhaupt noch einen Mehrwert bieten?

Ein Fitnessbuch für Schiedsrichter - Ist das wirklich nötig ?

Grundsätzlich stellt die Schiedsrichtertätigkeit keine Anforderungen an die Kondition, die es in anderen Sportarten so nicht gibt. Insofern ist ein Buch speziell für Schiedsrichter nicht unbedingt nötig. Die Übungen zur Steigerung der Kondition findet man ebenso in anderen Büchern, wie auch die Ratschläge zur Ernährung und zur Sportmedizin/Trainingslehre. Auch die Trainingspläne und –programme kann man sich mit dem nötigen Wissen über Trainingslehre selbst zusammenstellen. Wer sich also in dem Bereich Trainingslehre auskennt oder bereit ist, sich aus mehreren Büchern, das für Schiedsrichter relevante Wissen anzueignen, der benötigt dieses Buch nicht. Allerdings macht die spezielle Ausrichtung des Buches auf die konditionellen Anforderungen der Schiedsrichtertätigkeit dieses Buch zu einem nützlichen Ratgeber für Schiedsrichter, die das nötige Hintergrundwissen nicht haben und auch nicht bereit sind, sich dieses durch Nutzung mehrerer anderer Quellen anzueignen. Da dies erfahrungsgemäß die Mehrzahl ist, hat das Buch nicht nur seine Daseinsberechtigung, sondern es könnte einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die konditionellen Fähigkeiten der Schiedsrichter an die gestiegenen Anforderungen anzupassen und damit die Schiedsrichterleistungen in Deutschland weiter zu verbessern.

Ist das Buch für untere und mittlere Leistungsklassen geeignet ?

Die Frage, ob das Buch auch für untere und mittlere Leistungsklassen geeignet ist, lässt sich durchweg bejahen. So sind die Übungen und Ratschläge der Kapitel 1.1 bis 1.5 sowie der Kapitel 2 bis 6 ohne Einschränkungen für Schiedsrichter aller Leistungsklassen geeignet. Die im ersten Kapitel präsentierten Pläne sind ohne individuelle Anpassungen sicher nur für den oberen Leistungsbereich sinnvoll. Diese Pläne können aber problemlos an die eigenen Ansprüche beziehungsweise den Anforderungen, denen man sich ausgesetzt sieht, angepasst werden. Gerade Schiedsrichtern der unteren und mittleren Klassen, die einerseits ambitioniert und regelkundlich auf dem neuesten Stand sind, die aber auf dem Spielfeld unerklärliche Fehler begehen, an mangelnder Autorität leiden oder aber einfach Schwierigkeiten haben, einem Spiel über neunzig oder mehr Minuten konzentriert zu folgen, könnte dieses Buch ein nützlicher Ratgeber sein.

Mehrwert für joggende Schiedsrichter ?

Ein Schiedsrichter, der sich zwischen den Spieltagen mit Jogging fit hält, schafft sich sicherlich eine bessere Ausgangsbasis für eine gute Spielleistung als ein Schiedsrichter, der seiner Kondition zwischen den Spieltagen keine Beachtung schenkt. Allerdings deckt das Jogging als Ausdauertraining nur einen Bereich der konditionellen Anforderungen an die Schiedsrichter ab. Andere konditionelle Faktoren, wie zum Beispiel die Schnelligkeit und die Schnelligkeitsausdauer, sind aber für eine neunzig oder mehr minütige Spielleitung auf »Ballhöhe« ebenfalls von großer Bedeutung. Ebenso das Wissen um den richtigen Aufbau einer Trainingseinheit und das richtige Timing des Trainings beziehungsweise die richtige Dosierung. Daher kann dieses Buch gerade Schiedsrichter, die bereits Zeit in ein zusätzliches Joggingprogramm investieren, in die Lage versetzen, durch das Training weiterer Konditionsfaktoren, einen deutlichen Zugewinn an Kondition und damit letztendlich an Schiedsrichterleistung zu erlangen.

Fazit

Das Buch »Fitnesstraining für Schiedsrichter. Grundlagen - Strukturen - Übungen« bietet Schiedsrichtern, die Ihre Kondition verbessern möchten, eine praxisorientierte, anschauliche und sehr leicht verständliche Informationsquelle. Das Buch basiert zwar auf bekannten Konzepten der Trainingslehre, hat aber durch die spezielle Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Schiedsrichter seine Daseinsberechtigung. So werden nahezu alle Bereiche, die die Fitness des Schiedsrichters tangieren, abgedeckt. Theoretische Hintergründe findet man im Buch kaum. Da die Trainingspläne und -programme in Inhalt und Umfang den jeweiligen individuellen Bedürfnissen angepasst werden können, ist das Buch für alle Leistungsklassen geeignet. Und selbst Schiedsrichter, die sich bereits durch ein Joggingprogramm fit halten, können von den umfassenden Trainingsplänen und –programmen profitieren.

Strategien, wie sie Sir Alex dem englischen Premier-League-Referee Alan Wiley unterstellte (»Er brauchte 30 Sekunden, um eine Gelbe Karte zu zeigen. Ich glaube, er hat ein Päuschen eingelegt, als er den Namen des Spielers notierte.«) wird ein Schiedsrichter, der mit diesem Buch arbeitet, sicher nicht benötigen.

(Quelle: fussball-fuxx)

Bibliographische Daten
Einband: Gebundenes Buch
Seiten: 224 Seiten
Illustrationen: mit rund 350 farbigen Fotos und Abbildungen
Auflage: 1. Auflage
Erschienen: 11. Januar 2010
Format: 21,0 x 14,8 cm
Verlag: Philippka-Sportverlag
ISBN-13: 978-3-89417-196-4
Preis: 33.80 EUR

Hinweis: Das Buch ist mittlerweile bis auf sehr wenige vereinzelte Exemplare vergriffen. Über booklooker.de kann aber noch ein neues Exemplar erstanden werden. Zum Buch.